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Hauptkanal und Hausanschlüsse im Vortrieb hergestellt


Konsequent grabenlos durch den Fels



Im Rahmen der Neuverlegung eines Mischwassersammlers in Fulda gelang es, die Vorteile des grabenlosen Bauens vollständig zu Nutzen. Obwohl der Baugrund überwiegend aus massivem Fels bestand wurde nicht nur der Hauptkanal DN 1400 sondern auch die 42 neu herzustellenden Hausanschlüsse im Rohrvortrieb aufgefahren.

Grund für die Maßnahme ist der geplante Ausbau der Ausbau der Petersberger Straße, eine der Haupteinfallstraßen nach Fulda. Im Bereich zwischen "Dahlberg" und "Am Bahnhof" verlaufen auf einer Länge von rund 400 Metern zwei sich mehrfach kreuzende Kanäle, die aus den Jahren 1908 und 1912 stammen und sich in einem schlechten Bauzustand befinden. Die anliegenden Häuser sind mit teilweise zwei bis drei Anschlussleitungen angebunden.
Durch den neu gebauten Sammler DN 1400 sollen die beiden derzeit noch in Betrieb befindlichen alten Kanäle ersetzt und die Hausanschlüsse zusammengefasst und erneuert werden.

Keine vernünftige Alternative

"Auf Grund der starken Verkehrsbelastung der vierspurigen Petersberger Straße mit bis zu 30.000 Fahrzeugen am Tag kam für das zuständige Amt für Straßen- und Verkehrswesen ein Neubau in offener Bauweise mit den damit verbundenen Beeinträchtigungen von vorn herein nicht in Frage," erläutert Winfried Heil vom planenden Ingenieurbüro Heil aus Fulda. "Der Rohrvortrieb ermöglichte es, den Verkehr während der gesamten Bauzeit vierspurig aufrecht zu halten."

  Darüber hinaus war der Straßenraum derart mit den unterschiedlichen Versorgungsleitungen durchzogen, dass die Arbeiten mit offenem Graben immer wieder behindert worden wären.
  Mit einem Rohrvortrieb war es weiter möglich, die alten Kanäle zu unterfahren und während dieser Zeit ohne eine zusätzliche Wasserhaltung in Betrieb zu halten. "Ein Preisvergleich zwischen offener und geschlossener Bauweise ergab vor dem Hintergrund der örtlichen Verhältnisse nahezu Gleichstand," so Peter Geffe vom Abwasserverband Fulda.
  Angesichts dieser gewichtigen Vorteile der grabenlosen Bauweise und dem Gleichstand bei den Kosten wurde die Maßnahme mit einem Auftragsvolumen von rund 2,5 Millionen DM einschließlich der Herstellung der Hausanschlüsse in geschlossener Bauweise geplant und öffentlich ausgeschrieben.
Teilschnittmaschine mit Längsschneidkopf
Bild: Teilschnittmaschine mit Längsschneidkopf Vortriebsleistungen im Festgestein 4-5 Metern/Tag.
Den Zuschlag erhielt eine Bietergemeinschaft aus den Firmen Gehring aus Fulda und Eckert Erdbau aus Lauda-Königshofen. Während Gehring die notwendigen Arbeiten in offener Bauweise und an den Oberflächen ausführt, ist Eckert für die Herstellung der Pressgruben und sämtliche Vortriebsarbeiten zuständig.
  Der Vortrieb des Sammlers erstreckte sich über eine Gesamtlänge von rund 400 Metern und war in drei Haltungen aufgeteilt. Zum Einsatz kamen Stahlbeton-Vortriebsrohre der Dimension DN 1400. Ein Vortrieb der Nennweite DN 1300 wäre zwar hydraulisch ausreichend gewesen, doch wollte man der Möglichkeit, eine leistungsfähige Teilschnittmaschine einzusetzen, Raum geben und die Ausführung der Hausanschlussbohrungen aus dem Sammler heraus erleichtern. Technisch ist es zwar möglich die Bohrungen für die Hausanschlüsse bereits aus Sammlern ab DN 1200 auszuführen, für normal gewachsene Mitteleuropäer herrschen hierbei jedoch derart beengte Arbeitsbedingungen, die sich für die Bohrmannschaft jenseits der Zumutbarkeitsgrenze befinden.

Positive Erfahrungen mit bemanntem Vortrieb

Der Baurund bestand überwiegend aus teilweise mit Lehm durchsetzten Kalkstein der Klasse FD 3. Zum Einsatz kam eine Teilschnittmaschine mit Längsschneidkopf (LSK), die im Festgestein Vortriebsleistungen von 4 bis 5 Metern pro Tag erreichte.
  Für Probleme sorgte in der ersten Haltung ein massiver Schmutzwassereinbruch. Niemand hatte im Vorfeld mit einem derart schlechten Zustand des alten Kanals gerechnet, dass er beim knappen Unterfahren mit der Vortriebsmaschine nahezu vollständig in den Vortriebstunnel entwässert. Dieser Umstand sorgte für zeitweisen Stillstand des Vortriebes.
  Bei einem zweiten Problem spielte die bemannte Teilschnittmaschine ihre Vorteile gegenüber unbemannten Vortriebsverfahren aus. Am Rand der Vortriebstrasse war vor ca. 15 Jahren ein großer Hotelneubau errichtet worden. Für die Sicherung der Baugrube wurde damals der Verbau mit rückwärtig in die Straße gebohrten Ankern gesichert. Auf diese Stahlanker traf der Vortrieb. Im unbemannten Microtunnelverfahren hätte dieses jedes Mal eine Bergegrube erfordert und das Risiko von teuren Schäden am Bohrkopf beinhaltet. Beim Einsatz der bemannten Teilschnittmaschine konnten diese Hindernisse aus der Maschine heraus an der Ortsbrust beseitigt werden. Das erforderte zwar auch zusätzlichen Aufwand an Zeit und Kosten, erwies sich jedoch in diesem Falle gegenüber einer Vollschnittmaschine als großer Vorteil.
Die BM 150 T im 1400er Sammler: Der Maschinenfahrer ist mit der Leistung und dem Handling der Maschine sehr zufrieden.
Bild: Die BM 150 T im 1400er Sammler.
  In diesen kritischen Phasen bewährte sich nach übereinstimmenden Aussagen von Peter Geffe, Winfried Heil und Dr. Ulrich Scherer, als selbständiger Geologe hier für die Firma Eckert tätig, die vertrauensvolle und kooperative Zusammenarbeit der am Bau beteiligten Parteien.

Hausanschlüsse bis in den Keller

Für die Herstellung der 42 Hausanschlüsse mit Längen bis zu 20 Metern investierte die Firma Eckert in ein neue Maschine: eine BM 150 T der Firma Bohrtec. Im Hause Eckert gibt es zwar eine selbst konstruierte Maschine für das Bohren aus dem Sammler heraus, die aber nach Aussagen von Dr. Scherer bei diesen schwierigen Bodenverhältnissen von ihrer Leistung her weniger gut geeignet gewesen wäre. Die BM 150 T hatte bis zu unserem Baustellenbesuch, da etwa die Hälfte der Hausanschlüsse fertiggestellt waren, alle Herausforderungen, die die Bodenverhältnisse an die Maschine stellen, zur Zufriedenheit gelöst. Im massiven Fels liegen die Vortriebsleistungen bei einem halben Meter pro Stunde. Die Maschine verfüge über ausreichend Kraft und lasse sich gut bedienen und einrichten, beschreibt der Maschinenführer die Arbeit mit der BM 150 T.
  Die Hausanschlüsse wurden in zwei unterschiedlichen Durchmessern hergestellt. In der Dimension DN 150 kamen Steinzeugrohre zum Einsatz, in der Dimension DN 200 fiel die Wahl auf PEHD-Rohre. Zwei Gründe sprachen für diese Materialvariante. Zum einen verfügen die 150er Steinzeugrohre und die 200er PEHD-Rohre über den gleichen Außendurchmesser. Das heißt, beide Durchmesser konnten mit exakt der gleichen Maschinenausrüstung eingebaut werden. Zum zweiten macht sich bei den beengten Platzverhältnissen im Sammler der Gewichtsvorteil des Kunststoffrohres für das Vortriebspersonal positiv bemerkbar.
  Bei der Herstellung der Hausanschlüsse stellte man die Planung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf um. Zunächst war geplant, die Kontroll- und Übergabeschächte vor den Gebäuden im Gehweg anzuordnen und dort die Leitungen zusammenzufassen. Auf Grund der Vielzahl der vorhandenen Versorgungsleitungen entschloss man sich jedoch, die Kontroll- und Übergabeschächte in die Gebäude zu verlegen und vom Sammler aus bis in die Keller zu bohren. Die Regenfallrohre wurden nach innen umgelegt und an den Kellerwänden zu diesen Schächten zu führen. Um Geruchsblästigungen im Keller zu vermeiden hat man in den Schächten keine offenen Gerinne sondern Reinigungsöffnungen. Diese Lösung führte gegenüber der ursprünglichen Planung zu Kosteneinsparungen, die an die Anlieger, die für die Herstellung der Hausanschlüsse kostenpflichtig sind, weitergegeben werden konnten.
Ankunft der Hausanschlussbohrung im Gebäudekeller.
Ankunft der Hausanschlussbohrung im Gebäudekeller.
  Insgesamt, so kann man als Fazit der Baustelle ziehen, wurden in Fulda die Vorteile des grabenlosen Bauens konsequent genutzt - zum Vorteil der Verkehrsteilnehmer, der Anlieger, der Hausbesitzer und des Auftraggebers.

A. zu Eulenburg
   
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Stand: 02. Januar 2001